Zahlen und Fakten

In manchen Zeitungen wurde uns vorgeworfen, dass unsere Bewegung „ideologiegesteuert“ sei. Wir sagen: Ideologisch ist eine Politik und ein Wirtschaftssystem, das die naturwissenschaftliche Faktenlage ignoriert.

Um eine realistische Chance zu haben, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzen zu können, müssen wir weltweit 60 bis 80 Prozent der fossilen Energieträger im Boden lassen. Für Europa bedeutet dies, dass 90 Prozent der Kohlereserven im Boden bleiben müssen.

Eine Studie des New Climate Institute hat nach dem Pariser Klimaabkommen berechnet, welche Konsequenzen aus dem 1,5-Grad-Ziel gezogen werden müssten. Demnach müssten weltweit bis 2035 alle Treibhausgasemissionen aus Kraftwerken, Fabriken und Autos, aber auch aus Landwirtschaft und Abholzung auf Null reduziert werden, in den Industrieländern schon früher. Für Deutschland würde dies einen Ausstieg aus der Stein- und Braunkohle bis spätestens 2025 bedeuten.

Studien, die uns mehr Zeit lassen, basieren auf der Annahme, dass wir durch potentielle Zukunftstechnologien irgendwann CO₂ wieder aus der Atmosphäre herausholen können (negative Emissionen). Doch selbst wenn diese Technologien bis 2050 einsatzbereit wären, kämen sie zu spät, um den Klimawandel aufzuhalten (ganz zu schweigen von ihren menschenrechtlichen oder ökologischen Nebenwirkungen).

Denn je mehr die globale Erwärmung voranschreitet, desto wahrscheinlicher wird es, dass sogenannte Kipp-Punkte eintreten. Schon durch kleine Störungen können in bestimmten Klimasystemen sich selbstverstärkende Prozesse angestoßen werden, die unumkehrbar sind. Wenn z.B. die Permafrostböden in Sibirien und Nordamerika auftauen, wird Methan freigesetzt, das die Atmosphäre zusätzlich erwärmt. Das heißt, wenn die globale Erwärmung einmal eine kritische Schwelle überschritten hat, ist sie nicht mehr von Menschen zu kontrollieren.

Im Jahr 2016 lagen die globalen Temperaturen 1,2 Grad über dem Niveau des vorindustriellen Zeitalters. Wir erleben gegenwärtig verheerende Dürren, die Zunahme von Extremwetterereignissen und den Kollaps von zentralen Ökosystemen wie den Korallenriffen. Schon heute sind vor allem Menschen im globalen Süden von steigendem Meeresspiegel, Trinkwassermangel und Ernteausfällen betroffen. Mit zunehmender Erwärmung werden sich soziale und ökologische Krisen noch verschärfen.

Angesichts des Wärmerekords in der Arktis warnen Forscher*innen davor, dass Kipp-Punkte näher rücken oder schon erreicht sind.

Für uns folgt daraus der logische – und gar nicht ideologische – Schluss: Es ist verdammt dringend! Jede Tonne Kohle, die weiter verbrannt wird, ist eine Tonne zuviel.